Installierte Schriftarten auf verschiedenen Betriebssystemen

Eine sinnvolle CSS-Regel zur Textgestaltung sollte sich grundsätzlich aus folgenden drei Komponenten zusammensetzen:

  • der favorisierten Schrift,
  • einer oder mehrerer Alternativen sowie
  • einer Schriftgattung.

Der Browser arbeitet die Alternativen dann der Reihenfolge nach ab (vergleiche im Buch ab Seite 43). Hierdurch lässt sich das Design zumindest theoretisch weitgehend kontrollieren. Für den Webdesigner stellt sich nun die Frage, welche Schriftarten er überhaupt einsetzen kann. Und damit ist man bei der Überlegung angelangt, welche Fonts die Besucher einer Website voraussichtlich auf ihrem Betriebssystemen zur Verfügung (installiert) haben.

Diese Prognose erinnert sehr stark an die Überlegungen, die man beim generellen Austesten eines neuen Webprojektes stellen muss. Soll die Website auch auf einen hoffnungslos veralteten Browser, etwas Netscape 4.5, perfekt dargestellt werden? Bei den Schriftarten ist diese Prognose relativ einfach zu stellen, zumindest bei Betriebssystemen von Windows und Apple. Und das, obwohl es keinen Standard und damit auch keine Spezifikation gibt, die vorschreibt, welche Schriften auf den einzelnen Betriebssystemen zwingend installiert sein müssen.

Schriftarten unter Windows und Apple
Microsoft versuchte zwischen 1996 bis 2002 mit einem Projekt namens Core fonts for the Web zehn Schriften für den Gebrauch im Internet als Standard zu etablieren. Diese Schriftarten wurden und werden nicht nur standardmäßig auf allen Windowsversionen mitinstalliert, sondern auch auf Mac-Betriebssystemen. Ein entsprechendes Abkommen zwischen Microsoft und Apple wurde erst im August 2007 verlängert (hier eine Erklärung auf Deutsch). Dieses Abkommen bezieht übrigens nicht die neuen Vista-Fonts mit ein.

Theoretisch kann natürlich jeder Windows- und Mac-User die Schrift “Arial” auf seinem System löschen. Praktisch wird sich wohl kaum ein System finden, auf dem ein Benutzer tatsächlich “Arial” gelöscht hat. Bei Schriften wie “Arial” oder “Times New Roman” kann man also mit einer ziemlich hohen Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass diese auf den meisten Systemen vorhanden sind. Bei anderen Schriftarten, die nicht bei der Standardinstallation des Betriebssystems automatisch mitinstalliert werden, ist es hingegen reiner Zufall, wenn sie tatsächlich beim Anwender vorhanden sind.

Schriftarten unter Linux
Unter Linux ist die Situation leider nicht ganz so einfach. Bei den Distributionen werden die “Core fonts for the Web” aus Lizenzgründen nicht direkt mitgeliefert. Linux-User können sich die Fonts seit 2002 auch nicht mehr bei Microsoft herunterladen. Allerdings gestattet die Lizenz der Schriften eine Weitergabe der Schriften in unveränderter Form, weshalb die Schriften tatsächlich von vielen Linux-Usern aus anderen Quellen nachinstalliert werden. Teilweise bieten einige Distributionen auch Ersatzschriften an, z. B. Albany als Alternative für Arial.

Konkrete Verbreitung der Fonts
Letztlich entscheidend ist natürlich die Frage, bei wie vielen Besuchern tatsächlich welche Fonts installiert sind. Zur Beantwortung der Frage sollte man sich zwingend die Statistik von webmasterpro.de zur Verbreitung von Schriftarten im Netz anschauen. Die Auswertung bestätigt unsere bisherigen Überlegungen. Statistisch am sichersten fährt man als Webdesigner, wenn man auf die “Core fonts for the Web” zurückgreift. Eine übersichtliche Zusammenstelung zum Verbreitungsgrad der Schriftarten findet sich auch in diesem Cheat Cheet.

Fazit
Zwei Strategien bieten sich an: Entweder man beschränkt sich auf die “Core fonts for the Web”, und hat im Ergebnis eine relativ große Kontrolle darüber, wie die Website voraussichtlich beim User dargestellt wird. Oder man verwendet relativ exotische Fonts und bietet Ausweichalternativen an, verliert aber gleichzeitig mit hoher Wahrscheinlichkeit die Kontrolle über das Erscheinungsbild der Website.

Über Jens Kilgenstein

Ich bin seit über zehn Jahren im Bereich Webdesign tätig und betreue seitdem kleine und große Kunden bei der Konzeption und Umsetzung von Webprojekten. → Zum Profil

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