Beim Erstellen einer Homepage bzw. der Pflege eines Webprojekts kann es auf dem Desktop schnell unübersichtlich werden. Häufig wird viel mehr Platz benötigt, als ein Monitor hergeben kann und der Wechsel zwischen den parallel geöffneten Programmfenster sorgt für wahre Klickorgien. Viele Webentwickler wünschen sich deshalb mehrere, getrennte Arbeitsbereiche, zwischen denen man nach Bedarf hin- und herwechseln kann.

Paralleler Einsatz mehrerer Bildschirme.
Beispielsweise kann man so die Entwicklungsumgebung für den Quellcode auf Desktop eins legen, während auf Desktop zwei die Grafikprogramme laufen. Auf Desktop drei könnten dann noch ein oder mehrere Webbrowser geöffnet sein, mit denen man die Auswirkungen am Quellcode (von Desktop eins getätigt) nachvollziehen kann.
Zwei Möglichkeiten: Klonen des Desktops oder mehrere Monitore anschließen
Realisieren lässt sich eine solche Aufteilung einerseits durch die Verwendung sogenannter Virtual-Desktops, die mehrere statt einer Benutzeroberfläche zur Verfügung stellen. Virtuell bedeutet natürlich, dass sich gleichzeitig immer nur ein Desktop betrachten lässt und der Wechsel dazwischen manuell mittels Mausklick oder Tastaturkürzel erfolgen muss. Komfortabler ist insofern die Verwendung mehrerer Monitore, bei der ein manuelles Umschalten komplett entfällt. Natürlich ist es nicht an jedem (mobilen) Arbeitsplatz möglich, mehrere Bildschirme zu benutzen. Nachfolgend werde ich deshalb beide Varianten aus der Perspektive des Webdesigners vorstellen. Darüber hinaus gehe ich noch kurz auf eine Softwarelösung ein, mit deren Hilfe sich die Bildschirme von anderen Rechnern und Notebooks per LAN-Kabel als Zusatzbildschirme verwenden lassen.
Möglichkeit eins: virtuelle Desktops
Virtuelle Desktops simulieren im Grunde zusätzliche Monitore, zwischen denen der Anwender dann frei hin- und herschalten kann. Manche Betriebssysteme unterstützen diese Funktion bereits von Haus aus, sodass keinerlei zusätzliche Software installiert werden muss (zumindest, sofern man mit dem Leistungsumfang zufrieden ist). So bringt beispielsweise Apples Mac OS X seit Version 10.5 (Leopard) eine Software namens Spaces mit, die bis zu 16 virtuelle Desktops bietet. Die gängigen Linux-GUIs wie KDE und Gnome bieten ebenfalls grundsätzlich mehrere virtuelle Desktops an, die der Anwender mit einem konfigurierbaren Umschalter in der Taskleiste erreichen kann. Windows hat hingegen keine vergleichbare Lösung direkt integriert.
Microsoft Desktops
Immerhin bietet Microsoft auf seiner Homepage die kostenlose Software Desktops an, um mit der Konkurrenz gleichzuziehen. Dieses Programm ist auch ein erster Anlaufpunkt für alle Windows-User, die zunächst Software dieser Art erst einmal ausprobieren möchten. Das Programm ist nämlich mit 60 KByte extrem schlank und lässt sich ohne Installation sofort einsetzen. Es läuft ab Windows XP und kann bis zu vier Arbeitsbereiche verwalten. Die Bedienung ist absolut simpel. Nach dem Start findet sich im System-Tray ein Icon, das an vier Monitore erinnern soll. Über das Icon kann man auch zwischen den Desktops wechseln, alternativ ist auch eine Tastenkombination möglich.

Vier mögliche Arbeitsbereiche bietet MS Desktops
Desktops hat allerdings auch einige gravierende Einschränkungen bzw. Nachteile. Zum einen werden die Arbeitsbereiche nicht getrennt virtualisiert. Das hat zur Folge, dass sich einige Programme (z. B. Firefox) nicht parallel auf mehreren Benutzeroberflächen ausführen lässt. Ferner sieht das Programm keine Option zum Beenden vor. Stattdessen muss man für den Prozess im Task-Manager beenden sowie die zusätzlichen geöffneten Arbeitsbereiche (Explorer.exe).
Alternative Software
Wer sich mit den Einschränkungen von Microsoft Desktops nicht zufrieden gibt bzw. mehr als vier virtuelle Arbeitsbereiche benötigt, findet natürlich zahlreiche Alternativen, von denen ich drei hervorheben möchte: Dexpot, VirtuaWin (beide jeweils auch in portablen Versionen erhältlich) und GoScreen. Für Webdesigner ist insbesondere Dexpot interessant, weil es die Möglichkeit bietet, die Bildschirmauflösung für jeden Desktop individuell festzulegen.
Möglichkeit zwei: Mehrere Monitore verwenden
Windows unterstützt seit XP den Anschluss von bis zu zehn Monitoren an einen Computer. Voraussetzung ist lediglich eine Grafikkarte mit zwei (oder mehr) Ausgängen oder der Einbau von zwei (oder mehr) Grafikkarten. Aus eigener Erfahrung weiß ich auch, dass es klappt, eine auf der Hauptplatine integrierte Grafikkarte durch eine zusätzliche Steckkarte zu ergänzen.
Die Bedienung ist einfach und kann direkt auf den Supportseiten von Microsoft nachgelesen werden. Auch hier kann man bereits verschiedene Bildschirmauflösungen für die einzelnen Monitore auswählen.
Neben den Windows- Bordmitteln bieten die Grafikkarten-Hersteller auch spezielle Software an, etwa Nvidia nView und ATI/AMD HydraVision.
Noch umfangreichere Einstellungsmöglichkeiten bieten ferner Softwareprodukte wie DisplayFusion oder UltraMon.
Windows 8 bringt übrigens bereits deutlich erweiterte Einstellungsmöglichkeiten für den Multidisplay-Betrieb von Haus aus mit.
Speziallösung: Übertragung per (W)LAN
Will oder kann man in einem Rechner keine zusätzliche Grafikkarte einbauen (z. B. im Laptop oder Tablet PC wie dem iPad), kann man eine Software namens MaxiVista einsetzen. Sie überträgt die Daten über die Netzwerk/LAN-Verbindung und kann bis zu drei Rechner als zusätzliche Bildschirme nutzen. Die Arbeitsoberfläche wird dabei vergrößert und aufgeteilt, wodurch der Übergang zwischen den Bildschirmen fließend ist.
Speziell für iPad gibt es übrigens auch spezialisierte Apps, die das Gerät via WLAN zum Zusatzmonitor mutieren lassen. Empfehlenswert sind beispielsweise die Apps Air Display und DisplayLink.

Zweit-Bildschirm durch Verwendung der Ethernet-Schnittstelle.
Fazit
Webentwickler müssen viele Programme parallel einsetzen und leiden insofern unter permanenten Platzmangel auf dem Desktop. Aus eigener Erfahrung kann ich versichern, dass die Arbeit mit mehreren Hardware-Monitoren eine unglaubliche Arbeitserleichterung darstellt. Ist eine solche Erweiterung, aus welchen Gründen auch immer, nicht möglich, sollten Sie auf jeden Fall den Einsatz virtueller Desktops ausprobieren. Auch diese Lösung trägt dazu bei, dass durch zahlreiche Programmfenster und Icons entstehende Chaos zu beenden und sorgt für einen kleinen Produktivitätsschub!

Danke für den super informativen Artikel!
Auch sehr interessant sind die Eyefinity-Produkte von ATI. Aus der Serie gibt es nämlich schon sehr günstige Grafikkarten mit drei Ausgängen. Und da hat man dann definitiv keine Kompatibilitätsprobleme wie sie eventuell auftreten können, wenn man zwei unterschiedliche Grafikkarten verbaut. Und ne zweite GPU produziert natürlich auch zusätzlich Wärme, was man auch bedenken sollte.
Hallo Raphael,
Eyefinity bietet primär zwei Vorteile:
1.: Es beinhaltet die native Unterstützung dafür, mehr als zwei Monitore ansteuern zu können (normale Grafikkarten können nur 2 Bildschirme verwalten).
2.: Neben dem Klonen und Erweitern des Arbeitsbereiches ist auch ein nahtloses Bild, das sich über mehrere Bildschirme erstreckt (Panoramaansicht), konfigurierbar.
Bei Eyefinity gibt es allerdings eine Besonderheit zu beachten: Will man drei oder mehr Monitore anschließen, ist zwingend ein Monitor mit Displayport notwendig! Hat man keinen Displayport am Monitor, kann man sich aber auch mit einem Adapter behelfen.
schöner artikel!
und wer richtig viel platz braucht, der kann sogar bis zu sechs monitore anschließen! matrox sei dank – Matrox TripleHead2Go! ich selbst nutze insgesamt drei monitore und bin begeistert!
ich bin im bereich webdesign und webentwicklung tätig und da nutze ich die monitore wie folgt.
monitor eins –> screendesign
monitor zwei –> editor
monitor drei –> fertige website
viele grüße
daniel
Hi Daniel,
danke für den Tipp! Die von Raphael erwähnten Eyefinity-Produkte bieten übrigens teilweise auch bis zu sechs Ausgänge pro Grafikkarte (z. B. das Modell “HD 5870 Eyefinity 6 Edition”).
Tipp für ein etwas andere Herangehensweise: Wer mehrere Computer (gegebenenfalls mit unterschiedlichen Betriebssystemen) mit nur einer Maus und eine Tastatur ansteuern möchte, für den könnte die Software Synergy eine Lösung darstellen. Ich nutze das so zwischen Windows und Mac OS. Hat den Vorteil das der Schreibtisch aufgeräumt ist und ich mich nicht zum Laptop beugen muss. Die Rechner müssen lediglich im TCP/IP Netzwerk sein.
Um das iPad als Zweitdisplay zu nutzen fallen mir auch noch folgende Alternativen ein:
- DisplayPad (Mac OS -> iPad)
- iDisplay (Mac OS oder Windows -> iPad/iPhone oder Android
Ach ja, für das im Artikel erwähnte MaxiVista gibts auch ne iPad App.
Samsung bietet dazu passend auch spezielle Multidisplay-Monitore an (Modelle MD230). Insbesondere die Variante mit sechs Monitoren ist geil, aber leider schweineteuer;-)
Schöne Grafik zum Vergleich Multidisplay-Betrieb und Panoramaansicht: http://www.techrepublic.com/blog/window-on-windows/use-multiple-monitors-with-windows-7s-remote-desktop-connection/5785