Browser-Update: Google macht Druck

Niemand würde auf die Idee kommen, einen Virenscanner aus dem Jahr 2001 zu benutzen. Aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis weiß ich, dass selbst absolute Computerlaien stets ihre Virensoftware aktualisieren. Sowohl die massive mediale “Aufklärung” der letzten Jahre, als auch die mehr oder wenige penetrante Werbung der Hersteller hat ihre Wirkung nicht verfehlt. Beim Browser tun sich hingegen gerade unerfahrene Anwender häufig schwer mit der (regelmäßigen) Aktualisierung. Gehört habe ich auch schon mehrfach das Argument, dass man – weil man daran gewöhnt sei – zu Hause den identischen Browser benutzen möchte wie in der Firma. Gemeint war in diesen Fällen leider stets der Internet Explorer 6, der immer noch recht häufig im Firmenumfeld eingesetzt wird.

Der Grund, warum Anwender und Firmen updateresistent sind, ist schnell gefunden: Es gibt schlichtweg keinen zwingenden Grund! Hersteller von Anti-Virensoftware zwingen ihre Nutzer regelmäßig zum Upgrade auf neue Versionen – alte Software wird schlichtweg nicht mehr supportet. Beim Surfen im Internet gibt es eine solche Notwendigkeit hingegen bisher kaum. Am Beispiel des Internet Explorer 6 lässt sich diese Theorie am einfachsten nachweisen: Microsoft unterstützt seinen Browser-Oldie aus dem Jahr 2001 weiterhin fleißig, und auch Webdesigner passen ihre Seiten (auf Druck der Auftraggeber) weiterhin mit allerhand Kunstgriffen so an, dass die Darstellung im IE 6 bestmöglich “funktioniert”. Zwingende Gründe zum Upgrade gibt es insofern nicht, Anwender und auch Firmen können weiterhin den Weg des geringsten Widerstands gehen.

Bewegung in diese Problematik könnte nun Google bringen. Der Webgigant aus dem kalifornischen Mountain View hat im Unternehmensblog angekündigt, ab 1. August 2011 den Support für altere Browserversionen (Chrome, Firefox, Internet Explorer and Safari) einzustellen. Natürlich werden die Webseiten von Google in den allermeisten Fällen auch mit älteren Browserversionen funktionieren, aber der User wird wohl bei jeder Nutzung mit Hinweismeldungen rechnen müssen. Im Ergebnis dürfte, allein durch die damit verbundene Aufmerksamkeit zu dem Thema, viele Menschen zum Upgrade bereits sein.

Ganz uneigennützig ist der Vorstoß von Google natürlich nicht. Zum einen wird eine gewisse Anzahl der Upgradewilligen mit Sicherheit neuer Nutzer des hauseignen Browsers Chrome werden. Zum anderen setzen die cloudbasierten Dienste von Google Browser voraus, die die aktuellen Webtechnologien beherrschen. Im Ergebnis dürfte es Google, insbesondere im Firmenkontext, um die Steigerung der Nutzerzahlen gehen.

Übrigens scheint Google dem Browser Opera mittlerweile den Status eines ernst zu nehmenden Konkurrenten abgesprochen zu haben: In dem erwähnten Blog-Beitrag ist er Google jedenfalls keine Erwähnung wert.

Über Jens Kilgenstein

Ich bin seit über zehn Jahren im Bereich Webdesign tätig und betreue seitdem kleine und große Kunden bei der Konzeption und Umsetzung von Webprojekten. → Zum Profil

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Eine Reaktion zu Browser-Update: Google macht Druck

  1. browserbenutzer 1. September 2011 at 23:25 #

    Ja, und als nächsten Schritt sollten wir uns daran machen den Internet Explorer 7 abzusägen, siehe http://www.ie7nomore.com/

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