Browserstatistiken, Marktanteile und Webdesign

Ziel eines Webdesigners sollte es sein, dass die von ihm erstellten Seiten immer korrekt dargestellt werden, unabhängig davon, welcher Browser und welches Betriebssystem vom Betrachter verwendet werden. Die einzige Möglichkeit, diesen Anspruch umzusetzen, bedeutet: testen, testen und noch mal testen. Im Buch hatte ich erläutert, welche Testumgebungen sinnvollerweise verwendet werden sollten. Bei kommerziellen Webprojekten ist es durchaus üblich, dass bis zu einem Drittel der veranschlagten Gesamtzeit auf das Testen entfällt.

Welche Browser und Betriebssysteme sollte ich überhaupt testen?

Zur Beantwortung dieser Frage sollten wir darüber nachdenken, mit welchem Browser/Browserversion und Betriebssystem voraussichtlich auf eine Website zugegriffen wird. Generelle Anhaltspunkte hierfür bieten Statistikdienste und Marktforscher, die ihre Ergebnisse im Web veröffentlichen. Hier eine Übersicht der meiner Meinung nach wichtigsten Dienste, die natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt:

(Letzte Aktualisierung / Überprüfung der Dienste: 03.01.2013)

Welche Rückschlüsse kann ich aus den Browserstatistiken ziehen?

Möchte man lediglich die statistisch gesehen am häufigsten anzutreffenden User abtesten, erscheint der Aufwand noch überschaubar. Fraglich ist nun, ob auch ein Betrachter mit exotischen oder hoffnungslos veralteten Konstellationen wie beispielsweise Netscape 4.5 unter Win95 beim Testen berücksichtigt werden soll. Oder zumindest der Internet Explorer 6 unter Windows XP? Wo sollte man die Grenze ziehen?

Bei kommerziellen Projekten wird diese Grenze stets vom Auftraggeber vorgegeben und ist vor allem vom zur Verfügung stehenden Budget abhängig, da umfangreiche Tests zeitaufwendig und dadurch kostenintensiv sind. Bei semiprofessionellen Projekten muss abgewogen werden, wie viel Zeitaufwand dem Designer exotische Konstellationen wert sind. Als minimales Pflichtprogramm erscheint es sinnvoll, zumindest die Browser Internet Explorer, Firefox, Chrome, Opera und Safari in der aktuellen und der letzten Version unter Windows XP, Vista, Windows 7 und Windows 8 zu testen. Wünschenswert wäre es natürlich, diese Testkonstellation auch noch auf Mac OS und Linux auszuweiten. Exotischere Varianten mit unter einem Prozent Marktanteil sind schon als Kür zu bezeichnen. In jedem Fall sollte, nachdem die Website einige Zeit online ist, eine Auswertung der Besucherstatistik (Logfiles) erfolgen. Sollte sich herausstellen, dass eine ungetestete Browser- / Betriebssystemkonstellation recht häufig zugreift, sollte diese schleunigst getestet werden. Gleiches gilt, wenn neue Browser- / Betriebssystemversionen erscheinen.

Aussagekraft der Browserstatistiken

Bei der Interpretation der Browserstatistiken sollten Sie berücksichtigen, dass diese naturgemäß großen Ungenauigkeiten unterworfen sind. Diese resultieren vor allem daraus, dass nicht das gesamte Web, sondern nur “zufällig” teilnehmende Websites erfasst werden. So nutzen beispielsweise Besucher von Seiten, die eher ein technikaffines Publikum ansprechen, tendenziell innovativere Browser und aktuellere Versionen als der Durchschnitt (etwa bei Heise online). Ferner werden nicht die tatsächlich installierte Anzahl der Browser, sondern die mit den Browsern getätigten Zugriffe gemessen. Durch diesen Umstand verhelfen Surfer, die quasi den ganzen Tag online sind, den von ihnen benutzten Browsern zu einem deutlich höheren Marktanteil als Nutzer mit durchschnittlicher Onlinezeit. Schließlich unterliegt auch die Messung der verwendeten Browser einer bestimmten Fehlerquote. Diese erfolgt nämlich anhand des sogenannten User-Agent-Headers, den der Browser selbst bei jeder Anfrage an den Server übermittelt, jedoch von Anwendern oder Bots beliebig manipuliert werden kann.

Allein aufgrund dieser methodischen Schwächen bei der Erhebung der Daten sind die Ergebnisse der Browserstatistikdienste keinesfalls als repräsentativ anzusehen. Wunderbar geeignet sind die Browserstatistiken hingegen, um bestimmte Trends und Verschiebungen der Marktanteile zu erkennen. Ein Beispiel für eine solche Verschiebung in letzter Zeit ist zweifellos der kometenhafte Aufstieg von Google Chrome.

Beachten sollten Sie ferner die Herkunftsregion der gemessenen Daten. Die Verbreitungsrate eines Browsers variiert zwischen einzelnen Ländern und Kontinenten erheblich. Je nachdem, ob die primäre Zielgruppe z. B. Deutsche oder Chinesen sind, werde sich als Konsequenz die Prioritäten bezüglich der Optimierungsarbeiten bei den Webbrowsern deutlich unterscheiden. Bevorzugen Sie deshalb Browserstatistiken, die regionalen Unterschiede berücksichtigen und offenlegen.

Über Jens Kilgenstein

Ich bin seit über zehn Jahren im Bereich Webdesign tätig und betreue seitdem kleine und große Kunden bei der Konzeption und Umsetzung von Webprojekten. → Zum Profil

, ,

Ebenfalls Lesenswert:

Trackbacks/Pingbacks

  1. CSS einfach erklärt » Internet Explorer 6 Bugs am Beispiel transparente PNGs - 10. Oktober 2009

    [...] da immer noch ein gewisser Anteil der User mit dem IE6 im Web unterwegs ist (vgl. die Auswertungen diverser Statistikdienste). Leider interpretiert der IE6 zahlreiche Webstandards sehr eigenwillig und verursacht beim Testen [...]

  2. Bildschirmauflösungen online testen | CSS einfach erklärt - 21. Dezember 2009

    [...] platzieren. Die Häufigkeit der verwendeten Bildschirmauflösung lässt sich übrigens bei diversen Statistikdiensten [...]

  3. Datenbank für Tablets und Handys: Geräteinformationen für Webdesigner | Webdesign lernen, Homepage erstellen | CSS einfach erklärt - 12. Dezember 2011

    [...] wurden. Hieran lassen sich Trends und Präferenzen der Hersteller erkennen, auch wenn sie über den tatsächlichen Verbreitungsgrad nichts [...]

  4. Browser-Martkanteile: Wohin rollt der Zug für Webdesigner? | Webdesign lernen, Homepage erstellen | CSS einfach erklärt - 7. Januar 2013

    [...] die wichtigsten Anlaufstellen für eine solche Recherche zusammengefasst. Einerseits sind dies die Statistikdienste der Marktforscher, aus deren Auswertungen man in einem zweiten Schritt die gewünschten Webdienste zum Testen der [...]

Hinterlasse eine Antwort