Browser-Martkanteile: Wohin rollt der Zug für Webdesigner?

Ein entscheidender Faktor bei der Konzeption und Entwicklung von Websites liegt in der Fragestellung, mit welchen Endgeräten die Nutzer voraussichtlich die jeweilige Seite ansteuern werden. Um diese Kaffeesatzleserei Prognose auf einigermaßen sichere Füße zu stellen, wird man gewöhnlich auf zwei Quellen zurückgreifen: Allgemeine Browserstatistiken und – sofern vorhanden – eigene Auswertungen der anvisierten Zielgruppe.

In zurückliegenden Artikeln hatte ich an dieser Stelle bereits die wichtigsten Anlaufstellen für eine solche Recherche zusammengefasst. Einerseits sind dies die Statistikdienste der Marktforscher, aus deren Auswertungen man in einem zweiten Schritt die gewünschten Webdienste zum Testen der Browserdarstellung bestimmt.

In den vorangegangenen Jahren langweilten diese Statistiken eher mit evolutionären statt revolutionären Veränderungen. Zwar gab es mit Chrome einen neuen und erfolgreichen Mitspieler am Browsermarkt, ansonsten hatten die sich nur marginal verändernden Marktanteile kaum praktische Auswirkungen auf den Umfang beim Cross-Browser-Test. Selbst semiprofessionelle Entwickler konnten die sich abzeichnenden Trends mehr oder weniger ignorieren, da nennenswerte Einbußen beim Traffic nicht zu befürchten waren.

Der Grund hierfür war simpel: Das bisherige Ökosystem der meisten Anwender (meist irgendeine Windows-Version) änderte sich über die Jahre hinweg nicht. Es gab lediglich eine Verlagerung weg von der Desktop-Nutzung hin zum Laptop. Tablet-Computer spielten noch keine Rolle und die Nutzung von Handys zum Surfen war eher die Ausnahme als die Regel.

Spätestens 2012 änderte sich dies grundlegend. So lässt sich beispielsweise im KPCB Internet Trend nachlesen, dass nun bereits 13 Prozent des Internet-Traffics von Mobilgeräten ausgehen, während es im vorangehenden Jahr gerade einmal 4 Prozent waren. Da auch in den nächsten Jahren deutlich mehr Smartphones und Tablets als Notebooks und Desktop-Rechner verkauft werden, wird der Anteil von Mobilgeräten bei den Seitenzugriffen auch in Zukunft kontinuerlich zulegen.

Die klassischen PCs (Desktop und Laptop) werden zwar nicht aussterben, aber wesentlich dezimiert werden. In diesem Zusammenhang muss man auch nüchtern festhalten, dass bei Tablets und Smartphones ganz klar Android und iOS den Ton angeben. Entsprechend wird Windows bei den Abrufzahlen weiter nennenswerte Verluste hinnehmen müssen. Und Windows 8 wird – mangels attraktiver mobiler Gerätealternativen- den bereits aktiven, negativen Trend nicht aufhalten können.

Semiprofessionelle Webdesigner, aber auch Hobbyentwickler sollten hieraus Konsequenzen ziehen. Spätestens jetzt ist es an der Zeit, beim Entwickeln und Testen neuer Projekte die sogenannten mobilen Geräte nicht weiter zu ignorieren. Vielmehr ist der weiter anhaltende Trend bei vielen Usern längst zur Alltagsrealität geworden. Die adäquate Einbeziehung dieser Nutzer beim Cross-Browser-Test sollte zwingend in Fleisch und Blut übergehen.


Fazit:

Das Nutzerverhalten hat sich in den letzten Jahren zweimal grundlegend verändert: Zunächst hat der Laptop den Desktop in vielen Bereichen vollständig abgelöst. Dies hatte lediglich evolutionären Einfluss bei der Entwicklung von Websites (etwa bei der Positionierung von direkt sichtbaren Elementen).

Aktuell haben Tabletts und Smartphones einen großen Anteil vom Laptop weggenommen. Dies hat nahezu revolutionäre Konsequenzen, da sich nicht nur die Bildschirmgröße und die GUI, sondern auch das dahinterliegende Ökosystem (Betriebssystem) verändert haben. Auch semiprofessionelle Entwickler sollten diese Tatsachen beim Entwickeln und Testen von Webprojekten nicht weiter ignorieren, sondern spätestens jetzt ihren Workflow modernisieren.

Über Jens Kilgenstein

Ich bin seit über zehn Jahren im Bereich Webdesign tätig und betreue seitdem kleine und große Kunden bei der Konzeption und Umsetzung von Webprojekten. → Zum Profil

, ,

Ebenfalls Lesenswert:

Bisher keine Kommentare.

Hinterlasse eine Antwort